Videoident-Verfahren: So funktioniert es
Zuletzt aktualisiert: 26.08.2026
Beim Videoident-Verfahren weist du deine Identität online per Videochat nach, statt eine Postfiliale zu besuchen. Ein geschulter Mitarbeiter prüft dabei deinen Personalausweis oder Reisepass live vor der Kamera. Das dauert meist nur 5 bis 10 Minuten. Banken, Versicherer und Telekommunikationsanbieter setzen auf dieses Verfahren, weil es gesetzlich anerkannt und für dich kostenlos ist.
Auf dieser Seite erfährst du, wie der Ablauf konkret funktioniert, welche Anbieter wie IDnow, WebID und die Deutsche Post infrage kommen, worin sich Videoident von Postident unterscheidet und welche gesetzlichen Vorgaben die BaFin tatsächlich stellt.
Was ist das Videoident-Verfahren?
Das Verfahren ist eine Methode zur Identitätsprüfung per Videochat, bei der ein Mitarbeiter deinen Ausweis in Echtzeit kontrolliert. Du zeigst dein Ausweisdokument vor die Kamera und beantwortest ein paar kurze Fragen. Am Ende bestätigst du alles mit einer TAN, die dir per SMS oder E-Mail zugeschickt wird.
Im Unterschied zum klassischen Postident-Verfahren findet die Prüfung komplett von zu Hause statt, ohne Termin in einer Filiale. Das macht Videoident vor allem bei der Kontoeröffnung, beim Vertragsabschluss oder bei einer Kreditanfrage beliebt, weil du damit oft schon am selben Tag fertig bist.
Wie läuft das Videoident-Verfahren ab?
Der Ablauf ist bei den meisten Anbietern fast identisch und orientiert sich an den Vorgaben der BaFin. So läuft es Schritt für Schritt ab:
- Link öffnen: Du erhältst von der Bank oder dem Anbieter einen Link oder eine Ident-ID per E-Mail und startest damit den Videocall.
- Verbindung zum Mitarbeiter: Ein geschulter Mitarbeiter, der aus einem eigenen, abgetrennten Raum arbeitet, nimmt den Videoanruf entgegen.
- Ausweis prüfen: Du hältst deinen Personalausweis oder Reisepass vor die Kamera und kippst ihn leicht, damit mindestens drei Sicherheitsmerkmale aus unterschiedlichen Kategorien sichtbar werden.
- Abgleich mit deinem Gesicht: Der Mitarbeiter vergleicht das Passfoto mit deinem Gesicht und stellt dir kurze Kontrollfragen zu deinen Daten.
- TAN eingeben: Zum Abschluss bekommst du eine TAN per SMS oder E-Mail, die du im Portal des Anbieters einträgst, um die Legitimation zu bestätigen.
Der gesamte Videocall wird verschlüsselt übertragen und aufgezeichnet, dazu mehr im Abschnitt zu den rechtlichen Grundlagen weiter unten.

Welche Anbieter für das Videoident-Verfahren gibt es?
Für Endkunden ist das Videoident-Verfahren immer kostenlos, die Bank oder das Unternehmen bezahlt den Anbieter für die Prüfung. Die folgenden vier Anbieter sind in Deutschland am weitesten verbreitet und unterscheiden sich vor allem in Verfahrensart und Servicezeiten:
| Anbieter | Verfahrensart | Servicezeiten | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| IDnow | Live-Video mit Mitarbeiter | täglich 8:00 bis 24:00 Uhr | u. a. Partner von ADAC (Kreditkarte) |
| WebID | Live-Video mit Mitarbeiter | täglich 7:00 bis 22:00 Uhr | u. a. Partner von ADAC (Autokredit) |
| Deutsche Post (VideoIdent) | Live-Video mit Mitarbeiter | täglich 8:00 bis 22:00 Uhr | gleicher Anbieter wie Postident, digital statt Filiale |
| Nect | vollautomatisiert per KI, kein Mitarbeiter | rund um die Uhr | Prüfung dauert meist nur rund 2 Minuten |
Welchen Anbieter du am Ende nutzt, entscheidet nicht du selbst, sondern die Bank oder der Vertragspartner, mit dem du das Verfahren startest. Eröffnest du ein Gemeinschaftskonto, muss übrigens jede Kontoinhaberin und jeder Kontoinhaber das Videoident-Verfahren einzeln durchlaufen.
Videoident oder Postident: Was ist der Unterschied?
Der Hauptunterschied liegt im Ort der Prüfung: Videoident läuft komplett online ab, Postident verlangt einen persönlichen Besuch in einer Filiale der Deutschen Post. Beide Verfahren sind für dich kostenlos und rechtlich gleichwertig anerkannt.
| Kriterium | Videoident | Postident |
|---|---|---|
| Ort | von zu Hause, per Videochat | Postfiliale vor Ort |
| Verfügbarkeit | täglich, meist bis in den späten Abend | an Öffnungszeiten der Filiale gebunden |
| Dauer | ca. 5 bis 10 Minuten | Vor-Ort-Termin plus Postlaufzeit, oft mehrere Tage |
| Kosten für dich | kostenlos | kostenlos |
Videoident lohnt sich, wenn es schnell gehen soll, etwa bei der Kontoeröffnung. Postident bleibt eine gute Alternative, wenn du kein geeignetes Endgerät mit Kamera hast oder den persönlichen Kontakt bevorzugst. Mehr Details zum klassischen Verfahren findest du in unserem Artikel zum Postident-Verfahren, und wenn du direkt ein Konto ohne diesen Schritt suchst, hilft dir unser Beitrag zum Girokonto ohne Postident weiter.

Ist das Videoident-Verfahren sicher? Diese rechtlichen Grundlagen gelten
Ja, das Videoident-Verfahren ist in Deutschland gesetzlich anerkannt und seit dem Rundschreiben 3/2017 (GW) der BaFin, in Kraft seit dem 15. Juni 2017, unter klaren Auflagen zugelassen. Rechtliche Grundlage für die Identitätsprüfung ist § 12 des Geldwäschegesetzes (GwG).
Das BaFin-Rundschreiben verpflichtet jeden Anbieter unter anderem zu diesen Maßnahmen:
- Ende-zu-Ende-verschlüsselte, unterbrechungsfreie Videoübertragung
- mindestens drei Sicherheitsmerkmale des Ausweisdokuments werden aus unterschiedlichen Kategorien geprüft
- Mitarbeiter arbeiten in einem zugangsgeschützten, separaten Raum
- Bild- und Tonaufzeichnung des gesamten Gesprächs zu Dokumentationszwecken
- Aufbewahrung der Aufzeichnung für fünf Jahre gemäß § 8 Absatz 3 GwG
Zusätzlich gelten die üblichen Vorgaben der DSGVO für den Umgang mit deinen personenbezogenen Daten. Solltest du unsicher sein, ob ein Anbieter tatsächlich zugelassen ist, kannst du das direkt bei deiner Bank oder beim jeweiligen Dienstleister nachfragen.
Videoident oder automatisierte KI-Verfahren (Selfie-Ident): Wo liegt der Unterschied?
Neben dem klassischen Videoident mit Live-Mitarbeiter gibt es inzwischen vollautomatisierte Verfahren, oft als Selfie-Ident bezeichnet. Anbieter wie Nect prüfen dabei Ausweis und Gesicht per KI, ganz ohne menschlichen Gesprächspartner, und die Prüfung ist dadurch rund um die Uhr verfügbar.
Beim Selfie-Ident nimmst du ein kurzes Video deines Ausweisdokuments sowie ein Selfie-Video von dir auf, während du zwei zufällig angezeigte Wörter laut vorliest. Die Software prüft Dokument und Lebendigkeit deines Gesichts gleichzeitig, meist in rund zwei Minuten. Für dich ändert sich praktisch nur, dass kein Mitarbeiter mehr am anderen Ende der Leitung sitzt, welches Verfahren dein Vertragspartner nutzt, entscheidet er selbst.
Welche Vor- und Nachteile hat das Videoident-Verfahren?
Wie jedes Verfahren hat auch Videoident klare Stärken, aber auch ein paar Einschränkungen, die du kennen solltest.
- Zeitersparnis: Der Vorgang dauert meist nur 5 bis 10 Minuten, ganz ohne Termin oder Wartezeit vor Ort.
- Ortsunabhängig: Du identifizierst dich von überall mit stabiler Internetverbindung, nicht nur zu Filialöffnungszeiten.
- Kostenlos: Das Verfahren kostet dich als Kunde nichts.
- Technikabhängig: Ohne funktionierende Kamera, Mikrofon und stabile Internetverbindung klappt die Prüfung nicht.
- Strenge Dokumentprüfung: Beschädigte oder abgelaufene Ausweisdokumente führen dazu, dass der Mitarbeiter die Prüfung abbrechen muss.
Was brauche ich für das Videoident-Verfahren?
Für eine erfolgreiche Identifizierung solltest du diese Punkte vorher klären:
- Gültiges Ausweisdokument: Personalausweis oder Reisepass, unbeschädigt und nicht abgelaufen. Ein Führerschein wird nicht akzeptiert.
- Endgerät mit Kamera und Mikrofon: Smartphone, Tablet, Laptop oder PC mit funktionierender Webcam.
- Stabile Internetverbindung: Für eine unterbrechungsfreie Übertragung, WLAN ist meist zuverlässiger als mobile Daten.
- Ruhige Umgebung: Gute Beleuchtung und ein Ort ohne Hintergrundgeräusche, an dem niemand sonst im Bild ist.
- Erreichbares Handy oder E-Mail-Postfach: Für den Empfang der abschließenden TAN.
Kannst oder willst du dich nicht selbst identifizieren, ist eine Bankvollmacht für eine andere Person oft die passendere Lösung, statt das Videoident-Verfahren zu erzwingen.
Häufig gestellte Fragen zum Videoident-Verfahren
Ist das Videoident-Verfahren kostenlos?
Ja, das Videoident-Verfahren ist für dich als Kunde immer kostenlos. Die Bank oder der Vertragspartner bezahlt den Ident-Anbieter direkt für die Prüfung.
Wie lange dauert das Videoident-Verfahren?
Ein klassisches Videoident-Verfahren mit Mitarbeiter dauert meist 5 bis 10 Minuten. Automatisierte KI-Verfahren wie Selfie-Ident sind mit rund 2 Minuten oft noch schneller.
Kann ich das Videoident-Verfahren auch am Wochenende nutzen?
Ja, die meisten Anbieter wie IDnow, WebID und die Deutsche Post bieten Videoident täglich an, teils bis Mitternacht. Automatisierte Verfahren wie Nect stehen sogar rund um die Uhr zur Verfügung.
Was passiert mit den Daten nach der Identifizierung?
Der Anbieter muss die Bild- und Tonaufzeichnung des Videocalls nach den Vorgaben der BaFin und gemäß § 8 Absatz 3 GwG fünf Jahre lang aufbewahren. Für den Umgang mit deinen personenbezogenen Daten gelten zusätzlich die Vorgaben der DSGVO.
Brauche ich eine App für das Videoident-Verfahren?
Bei den meisten Anbietern reicht ein aktueller Internetbrowser mit Kamera- und Mikrofonzugriff, eine App ist meist nicht zwingend nötig. Manche Anbieter wie die Deutsche Post bieten zusätzlich eine eigene App an, die den Ablauf teilweise vereinfacht.
Über den Autor:
Max Benz hat einen Master of Science-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre von der Technischen Universität Dresden und ist Geschäftsführer und Gründer von girokonto.io, einer Marke der LBC Finance UG. Er liebt es, alle Daten über Girokonten zusammenzutragen, um so die besten Girokonten zu vergleichen und zu finden.