Das Wichtigste in Kürze
- Giropay war ein deutsches Online-Bezahlverfahren, das von Banken und Sparkassen betrieben wurde und Zahlungen direkt vom Girokonto ermöglichte.
- Der Dienst wurde am 31. Dezember 2024 eingestellt. Seit dem 23. September 2024 waren keine neuen Registrierungen mehr möglich.
- Als Nachfolger wird Wero aufgebaut, ein europäisches Bezahlsystem der EPI (European Payments Initiative), das seit November 2025 auch in ersten deutschen Online-Shops verfügbar ist.
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Was war Giropay?
Giropay war ein Online-Bezahlverfahren, das von deutschen Banken und Sparkassen angeboten wurde. Es ermöglichte, direkt vom Girokonto im Internet zu bezahlen, ohne dabei Bankdaten an den Händler weiterzugeben. Stattdessen wurden Kunden beim Bezahlvorgang kurz in das Online-Banking ihrer Bank weitergeleitet.
Das System wurde im Februar 2006 eingeführt und stand zeitweise über 1.500 Banken und Sparkassen zur Verfügung, darunter alle Sparkassen, fast alle Volks- und Raiffeisenbanken sowie die Postbank, comdirect und die DKB. Auch Geldüberweisungen unter Privatpersonen in Echtzeit waren über die Giropay-App möglich.
Am 31. Dezember 2024 wurde Giropay endgültig abgeschaltet. Der Dienst existiert nicht mehr.
Wie hat Giropay funktioniert?
Die Funktionsweise war einfach: Beim Online-Einkauf wählte man Giropay als Zahlungsoption aus und wurde automatisch in das Online-Banking der eigenen Bank weitergeleitet. Dort bestätigte man die Zahlung mit PIN und TAN, und der Händler erhielt sofort eine Bestätigung. Das Geld wurde direkt vom Girokonto abgebucht.
Für die Zahlung gab es zwei Wege: Entweder nutzte man die Zugangsdaten des Online-Bankings direkt, oder man erstellte einen eigenen Giropay-Benutzernamen, den man mit dem Girokonto verknüpfte. Zusätzlich existierte die Giropay-App für Überweisungen unter Privatpersonen per Telefonnummer oder E-Mail-Adresse.
Eine Besonderheit war der integrierte Käuferschutz mit Geld-zurück-Garantie, der Bestellungen bis zu 100 Tage absicherte. Zudem bot Giropay mit dem Dienst “Giropay-ID” eine Altersverifikation an, mit der sich Nutzer bei bestimmten Anbietern als volljährig ausweisen konnten, ohne Ausweisdaten weiterzugeben.
Welche Vorteile und Nachteile hatte Giropay?
Giropay hatte aus Nutzersicht einige echte Stärken, konnte sich am Markt aber nie durchsetzen.
Vorteile
- Keine Datenweitergabe: Bankdaten blieben bei der eigenen Bank und wurden nicht an Händler oder Dritte übermittelt.
- Sicherheit durch Online-Banking-Standard: Die Zahlung lief über das gewohnte TAN-Verfahren der eigenen Bank.
- Kostenlos für Kunden: Für Nutzer entstanden keine zusätzlichen Gebühren.
- Echtzeit-Überweisungen: Geldversand unter Privatpersonen war sofort und kostenlos möglich.
Nachteile
- Nur in Deutschland nutzbar: Internationale Zahlungen waren nicht möglich.
- Geringe Händlerakzeptanz: Viele Online-Shops boten Giropay nie an, was die praktische Nutzbarkeit stark einschränkte.
- Minimale Marktdurchdringung: Giropay kam trotz breiter Bankunterstützung nie über einen einstelligen Marktanteil hinaus.
- Eingestellt seit 31.12.2024: Der Dienst existiert nicht mehr.
Wann und warum wurde Giropay eingestellt?
Am 12. Juni 2024 beschloss die Gesellschafterversammlung der Paydirekt GmbH, Giropay zum Jahresende einzustellen. Ab dem 23. September 2024 waren keine neuen Registrierungen mehr möglich. Am 31. Dezember 2024 wurde das System vollständig abgeschaltet.
Die Gründe lagen vor allem in der fehlenden Marktdurchdringung. Obwohl über 1.500 Banken Giropay unterstützten, wurde der Dienst von Händlern und Verbrauchern kaum angenommen. Im letzten vollständigen Betriebsjahr wickelte Giropay rund 25 Millionen Transaktionen ab, während PayPal in Deutschland auf einen Marktanteil von über 30 Prozent im E-Commerce kommt.
Erschwerend kam hinzu, dass das System durch die Zusammenlegung von Paydirekt und Giropay für Händler und Nutzer komplizierter statt einfacher wurde. Nennenswerte Einnahmen erzielte Paydirekt GmbH damit nie. Mit dem europäischen Bezahlprojekt EPI und dessen Dienst Wero stand zudem eine Alternative in den Startlöchern, in die die Banken ihre Ressourcen konzentrieren wollten.
Was kommt nach Giropay? Wero als Nachfolger
Der direkte Nachfolger von Giropay ist Wero, ein Bezahldienst der European Payments Initiative (EPI). Hinter EPI stehen große europäische Banken, darunter Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Deutsche Bank und Postbank.
Wero startete im Juli 2024 zunächst für Überweisungen unter Privatpersonen per Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Seit November 2025 ist Wero auch in ersten deutschen Online-Shops verfügbar, als erster großer Händler nahm Eventim Wero an. Weitere Shops sollen folgen, darunter Decathlon, Lidl, Rossmann und Zooplus.
Neben Deutschland ist Wero bereits in Frankreich und Belgien nutzbar. EPI zählt europaweit über 14 Millionen registrierte Nutzer. Zahlungen im stationären Handel sollen ab 2026 möglich sein. Wero ist für private Nutzer kostenlos.
Wie funktioniert Wero?
Wero basiert auf SEPA-Echtzeitüberweisungen und läuft direkt über die Banking-App der eigenen Bank. Eine separate App ist nicht zwingend nötig.
Beim Bezahlen im Online-Shop gibt es zwei Varianten: Auf dem Smartphone wählt man Wero im Checkout aus und wird automatisch zur Banking-App weitergeleitet, wo man per Biometrie oder PIN freigibt. Am Desktop erscheint ein QR-Code, den man mit der Banking-App scannt. Die Zahlung erfolgt dann innerhalb von Sekunden direkt vom Girokonto.
Für P2P-Überweisungen reicht die Telefonnummer des Empfängers. Das Geld ist in unter 10 Sekunden auf dem Zielkonto.
Aktuell können nur Kunden von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken Wero im Online-Handel nutzen. Kunden der Deutschen Bank und Postbank sollen als nächstes folgen, danach ING. Der Rollout weiterer Banken ist für 2025 und 2026 geplant.
Welche Alternativen gibt es zu Giropay?
Wer nach dem Ende von Giropay eine Alternative sucht, hat mehrere Optionen. Die Wahl hängt davon ab, ob man im eigenen Land zahlt, international unterwegs ist oder Geld an Privatpersonen senden will.
- Wero: Der direkteste Nachfolger, kostenlos, kontobasiert, europaweit ausgerichtet. Derzeit in Deutschland noch im Aufbau, aber die erste Wahl für Nutzer von Sparkassen und Volksbanken.
- PayPal: Mit über 30 Prozent Marktanteil im deutschen E-Commerce die meistgenutzte Zahlungsmethode. Bietet Käuferschutz, ist bei fast allen großen Online-Shops akzeptiert und funktioniert auch international.
- Sofortüberweisung (Klarna): Ähnliches Prinzip wie Giropay, Zahlung direkt vom Konto. Nicht identisch mit Giropay, da Zugangsdaten an einen Drittanbieter übermittelt werden.
- Apple Pay / Google Pay: Kartenbasierte Wallet-Lösungen für Smartphone und kontaktloses Bezahlen im Laden. Breit verfügbar, aber nur so gut wie die verknüpfte Karte.
- Kreditkarte: Für internationale Zahlungen und Bereiche, in denen Wero noch nicht verfügbar ist, die verlässlichste Option.
FAQ: Häufig gestellte Fragen zu Giropay
Kann ich noch mit Giropay bezahlen?
Nein, Giropay wurde am 31. Dezember 2024 endgültig eingestellt. Eine Zahlung per Giropay ist seitdem nicht mehr möglich. Als Nachfolger für kontobasierte Online-Zahlungen baut sich Wero auf.
Wann wurde Giropay eingestellt?
Die Einstellung wurde am 12. Juni 2024 beschlossen. Neue Registrierungen waren ab dem 23. September 2024 nicht mehr möglich. Der Betrieb endete vollständig am 31. Dezember 2024.
Was ist der Unterschied zwischen Giropay und Wero?
Beide Dienste basieren auf dem deutschen Bankenverbund und ermöglichen Zahlungen direkt vom Girokonto. Wero ist der Nachfolger, nutzt SEPA-Echtzeitüberweisungen als technische Basis und ist europaweit ausgerichtet (Deutschland, Frankreich, Belgien und weitere Länder). Giropay war auf Deutschland beschränkt und ist seit Ende 2024 abgeschaltet.
Bei welchen Shops kann ich mit Wero bezahlen?
Seit November 2025 ist Wero in ersten deutschen Online-Shops verfügbar, als erster größerer Händler startete Eventim. Weitere Shops wie Decathlon, Lidl, Rossmann und Zooplus sollen folgen. Aktuell können nur Kunden von Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken Wero im Online-Handel nutzen.